Der Arbeitskreis Asyl in Murr ist Geschichte - Wir sagen DANKE!
Als kommunaler Arbeitskreis Asyl haben wir in den vergangenen 10 Jahren die der Gemeinde Murr zugewiesenen Flüchtlinge und die Gemeinde bei den damit verbundenen vielfältigen Aufgaben unterstützt. Jetzt trafen wir uns am 16. September 2025 zu einem Abschlussabend, zu dem Herr Bürgermeister Bartzsch uns eingeladen hatte. Ein Abend, an dem wir gemeinsam auf ein Jahrzehnt „Flüchtlingsarbeit“ zurückblickten. Die Anfänge – Wie kam es zur Gründung des Arbeitskreises? 2015 erreichten uns dramatische Nachrichten der UNO: Es fehlte ihr an Mitteln zur Versorgung vor allem in den syrischen Flüchtlingslagern. Eine große Zahl von Syrern machte sich auf den Weg nach Europa. Sie erreichten zusammen mit Flüchtlingen aus anderen Ländern bald darauf die deutschen Grenzen. Die meisten werden sich noch an die emotionalen Bilder bei der Ankunft in Deutschland erinnern können. Unter diesem Eindruck trafen sich am 11. Juni 2015 in Murr einige Bürgerinnen und Bürger, um die Gemeinde bei der Unterbringung und Betreuung der erwarteten Flüchtlinge zu unterstützen. Bald darauf wurde in Murr ein kommunaler Arbeitskreis (AK) Asyl gegründet - wie auch in vielen tausend anderen Kommunen entsprechende Vereinigungen im Zeichen einer Willkommenskultur gegründet wurden. Schon im Herbst 2015 standen über 70 Bürgerinnen und Bürger auf der AK-Mitgliedsliste, und wir mussten eine Struktur finden, um arbeitsfähig zu werden. Wie arbeiteten wir? Wir bildeten TEAMS für verschiedene Aufgaben:
Über 25 AK-Mitglieder nahmen an einem eigens für den AK Asyl Murr aufgesetzten Qualifizierungskurs „Führerschein Asyl“ im November/Dezember 2015 teil. „Wir schaffen das!“ Zunächst begleiteten wir die Rückführung der noch in Murr untergebrachten Flüchtlinge aus dem Jugoslawien Krieg. Zu dieser Zeit durchliefen die Geflüchteten aus Syrien und anderen Ländern die Erstaufnahme und die Gruppenunterbringung in den Erstaufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften in den Bundesländern und Landkreisen. Dann kamen die Zuweisungen! Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat konnten durch vorausschauende Planung alle der Gemeinde Zugewiesenen unterbringen und damit eine Belegung von Gemeinde- und Sporthalle vermeiden. Das erleichterte die Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern und auch unsere Unterstützung der Ankommenden. Ein Beispiel: Wir hatten von einem Tag auf den anderen mit Vorgängen zu tun, die keiner von uns vorher kannte: Nach und nach wuchs die Zahl der untergebrachten Flüchtlinge auf über 120 Personen. Unterstützung von allen Seiten Erfreulich war für uns: In unserer Gemeinde war die Spendenbereitschaft groß und sehr viele Hilfsangebote erreichten uns. Manchmal war die Bereitschaft so „groß“, dass wir die deckenhohe vier-Meter-Schrankwand leider ablehnen mussten. Besonders groß war bei den Flüchtlingen das Interesse an Fahrrädern. Wir haben so im Laufe der 10 Jahre weit über 100 gespendete Fahrräder instandgesetzt und ausgegeben. Hierbei halfen einige Flüchtlinge und ein fahrradaffiner Mitbürger tatkräftig mit. Auch die Bereitschaft der ansässigen Firmen, Geflüchteten eine Arbeitsmöglichkeit anzubieten, war erfreulich groß. Und die umfangreichen und vielfältigen Spenden eines unserer gewerblichen Hauptsponsoren halfen uns kontinuierlich über den gesamten Zeitraum dieser 10 Jahre. Kennenlernen Um die Menschen und ihre Bedürfnisse kennen zu lernen, organisierten wir regelmäßig Begegnungscafés und Grillabende in der „Oase“, die uns die Evangelische Kirche großzügig zur Verfügung stellte. Später fanden unsere „Cafés International“ im alten Schulhaus statt. In den Jahren 2016 bis 2019 lud die Gemeinde in der Adventszeit zu einer Jahresfeier mit kleinen Geschenken für die Kinder ein. Gemeinsam waren wir stark Alle Konflikte und alle unsere Vorschläge konnten wir in den monatlichen Koordinationsgesprächen mit der Gemeinde abklären, ein sehr effizientes Zusammenwirken! Wenn z.B. das Abwasser verstopft war, der Hahn tropfte, die Heizung ausfiel, der Schlüssel verloren ging…: Es tut sich was Private Wohnungen fanden zuerst die Familien und konnten so die Obdachlosen-Unterkünfte der Gemeinde verlassen. Vereinzelt konnten sich auch alleinstehende Männer anderswo in Wohngemeinschaften einmieten. Die jungen Männer, die weiterhin in den Flüchtlingsunterkünften blieben, fanden Arbeit in Murr und Umgebung. M. hat 3 sprachlich-praktische Schuljahre mit Praktika in Betrieben abgeschlossen und mit Unterstützung gelingt es, eine Lehrstelle im Bereich „Heizung-Lüftung-Sanitär“ zu ergattern – große Begeisterung bei uns. Doch es zeigt sich, 3 Jahre Grundschule in Iran und 3Jahre praktisch orientierter Sprachunterricht reichen nicht aus für eine so anspruchsvolle Lehre. Er muss die Ausbildung aufgeben. Doch er lässt nicht locker und beginnt eine Lehre als Koch in einem Systemgastronomie – Restaurant. Im Laufe der Zeit wurde unsere intensive Unterstützung weniger notwendig, da die Beratung und die Bearbeitung der formalen Anliegen von den Integrationsmanagerinnen in Murr übernommen wurden. Unser Schwerpunkt verschob sich auf die Bereiche:
Der Ukrainekrieg Seit Beginn des Ukrainekrieges kamen viele Vertriebene aus der Ukraine nach Murr, zeitweise mussten über 170 Menschen einquartiert werden. Wir praktizierten das Bewährte: Begrüßen und informieren mit russisch-sprachiger Unterstützung. Für den direkten Umgang wird das Smartphone mit Übersetzungs-App zum täglichen Werkzeug. Über die Modulbauten hinaus muss die Gemeinde weitere teure Wohnungen anmieten. Dank unseres gut bestückten Spendenlagers konnten wir die Gemeinde bei der Ausrüstung der Wohnungen mit Bettwäsche, Handtüchern und allen Küchenutensilien, etc. entlasten. Ein Ende der Zuweisung war nicht abzusehen und die Planung für die Container läuft an. Letztlich werden sie nur für eine Übergangszeit gebraucht, da die ukrainischen Familien überraschend schnell Privatwohnungen finden können. Deutschkurs für Ukrainer Die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge in Murr wurde so groß, dass die VHS einen Sprach- und Integrationskurs in Murr anbot. Die ev. Kirche stellte hierfür den Kirchenraum im Alten Schulhaus zur Verfügung, in den auch wir unsere Beratungen, Nachhilfe und Treffen des AK verlegen mussten, da alle Unterkünfte der Gemeinde für Flüchtlinge gebraucht wurden. Das Integrationsbüro der Caritas wurde ins Alte Rathaus verlegt. Und wir hatten wieder „Vollbeschäftigung“:
Wie geht es Herrn M.? Wie sieht unsere Bilanz nach 10 Jahren aus? Manchmal war es schwierig Charaktere, Motive und Interessen erlebten wir bei den Flüchtlingen genau so unterschiedlich und in einer Bandbreite wie in unserer Gesellschaft. Manche beschwerten sich, weil die Wohnung für sie viel zu klein erschien, andere wollten gar eine Villa, die Geld-Leistungen waren zu gering und die Wartezeiten beim Arzt zu lang… Wir lernten, darauf mit Humor zu kontern. Wir ärgern uns, wenn Flüchtlinge seit 2 oder 3 Jahren in Murr untergebracht sind und keine Anstalten machen, Arbeit anzunehmen und die deutsche Sprache zu lernen. Glücklicherweise sind es wenige. Als besonders schwierig und überfordernd erlebten wir den Umgang mit Männern, die mit Drogen handelten. Sorgen macht uns weiter, dass es auch professionellen Stellen nicht gelingt, einen drogen- und alkoholkranken jungen Afghanen adäquat unterzubringen. Wir bedauern es sehr, dass die acht eritreischen und somalischen jungen Männer, die seit 6 Jahren in Murr leben und fast alle auch so lange in Murr arbeiten, einfach keine Mietwohnungen finden können und weiterhin sehr beengt unter Obdachlosenbedingungen wohnen müssen. Was ist uns gelungen? Wir haben vielen zugewiesenen Flüchtlingen helfen können, sich sicherer in unserer Gesellschaft zu bewegen und in Murr und Umgebung Fuß zu fassen. Ob sie länger bleiben oder sich gar in Deutschland niederlassen wollen, hängt von vielen Faktoren ab: Da ist zuerst ihr Aufenthaltsstatus, da ist der schulische und berufliche Erfolg, die Wohn- und Lebenssituation. Für die jungen Männer ist es oft schwierig eine Partnerin zu finden. Natürlich spielen auch die Veränderungen im Herkunftsland, der Herkunftsfamilie eine große Rolle und nicht zuletzt ist es die Akzeptanz durch uns Mitbürger. Integration braucht einen langen Atem. Erst in 5, 10 oder mehr Jahren werden wir wissen, wem es gelungen ist, sich in Deutschland einzuleben. Wir lösen uns als kommunaler Arbeitskreis auf, weil die Zahl der Zuweisungen geringer geworden ist, viele Flüchtlinge Arbeit und Wohnung gefunden haben und unsere Aufgaben von anderen Stellen weitgehend übernommen wurden. Weiterhin unterstützen viele Bürgerinnen und Bürger in Murr einzelne Kinder, Jugendliche und Familien. Ganz privat, als Lesepaten oder bei der Hausaufgabenunterstützung in der Grundschule oder den weiterführenden Schulen. Wir bedanken uns sehr für die gute Zusammenarbeit beim Bürgermeister, der Gemeindeverwaltung, dem Bauhof, der Kirchengemeinde und allen Bürgerinnen und Bürgern, die uns unterstützt haben. (für den AK Asyl: Gbur, Lehmann, Dr. Grill) |




