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Geschichte und Entwicklung

Vor Tausenden von Jahren ...

VICANI MURRENSES, römischer Weihestein (um 200 n. Chr.)
Bildausschnitt eines römischen Weihesteins mit der Inschrift "VICANI MURRENSES"

Menschen haben seit Jahrtausenden im mittleren Neckarraum ihre Spuren hinterlassen. Die ersten sind die des "homo steinheimensis". Sein Schädel wurde 1933 in der Nachbarstadt Steinheim an der Murr gefunden. Dem Schädel wird ein Alter von etwa 250.000 Jahren zugeschrieben. Eine lange Zeit vor dem modernen, heutigen Menschen, der erst vor etwa 40.000 Jahren in Europa erschien.

Zahlreiche Siedlungsspuren sind in Murr für die Jungsteinzeit (5500 bis 2300 v.Chr.) belegt. Es handelt sich um Steinwerkzeuge, Pfeilspitzen und Reste von Tongefäßen. Aus der folgenden Bronze- und Eisenzeit (2300 v.Chr. bis 100 n.Chr.) sind ebenfalls Siedlungsreste sowie mehrere Grabhügel im Hardtwald beim Forsthof (Hallstattzeit, 800 bis 400 v.Chr.) bekannt.

Eine dichtere Besiedlung gab es zur Römerzeit (um 90 bis Mitte des 3. Jahrhunderts n.Chr.). Sie stand im Zusammenhang mit dem Kastell in Benningen am Neckar. Ein römischer Weihestein bezeugt um 200 n.Chr. erstmals die "Dorfbewohner an der Murr" (vicani murrenses). Sie betrieben vor allem das Töpferhandwerk, wie zahlreiche Brennöfen und eine Art Schiffsanlände in der Nähe der neuen Murrbrücke unterhalb der Bergkelter-Kreuzung belegen. Der Name Murr stammt jedoch sicher aus vorrömischer Zeit.

Erste urkundliche Erwähnung im Jahre 972

Wolvald-Urkunde von 972
Bildausschnitt aus der Wolvald-Urkunde von 972

Der heutige Ort geht auf eine alemannische Siedlung zurück. Von dieser wurden Gehöfte aus dem 4. und 8./9. Jahrhundert n.Chr. südwestlich des früheren Bahnhofs entdeckt. Erstmals urkundlich erwähnt wird Murr in einer kirchlichen Urkunde, der "Wolvald-Urkunde" von 972. Die heutige Peterskirche geht auf diese Zeit zurück. Im 13. Jahrhundert war Murr Sitz eines Landkapitels des Bistums Speyer, wie ein Siegel auf einer Urkunde von 1244 belegt. Rund sechzig Jahre später - nämlich 1302 - kam der Ort durch Kauf zu Württemberg. Er gehörte vom 15. Jahrhundert bis 1938 zum Amt / Oberamt Marbach.

Das Hardtwaldgericht und die Flößerei

Floßhaussteg
Floßhaussteg überspannt die Murr

Eine Linde, mit Steinsitzen umgeben, erinnert noch heute an das jährlich an Georgi, dem 23. April, hier tagende Hardtwaldgericht. Mindestens seit 1580 und bis 1839 regelte es die Nutzung und Verwaltung des Hardtwaldes (erstmals 1478 erwähnt). Dieser liegt am östlichen Rand des Bottwartales. Ebenfalls zu jener Zeit, ab 1517 und bis 1871 wurde auf der Murr eine einträgliche Scheiterholz-Flößerei betrieben. Der Lagerplatz für das aus dem Schwäbisch-fränkischen Wald angeflößte Brennholz befand sich beim heutigen Floßhaussteg.

Verkehrsgünstig gelegen

Murr um 1685 (Kieser’sches Forstlagerbuch)
Zeichnung von Murr um 1685 aus dem Kieser’sches Forstlagerbuch

Bis Ende des 19. Jahrhundert war Murr ein landwirtschaftlich geprägter Ort mit Weinbau. Sein Straßendorfcharakter an der alten Straße von Ludwigsburg nach Heilbronn ist noch heute erkennbar. 1894 wurde die Bottwartalbahn eröffnet, die von Marbach am Neckar nach Heilbronn führte. Um diese Zeit entstanden die beiden ersten großen Betriebe: Die Ziegelei Blattert (1893) und die Holzmehlfabrik Zinsser (1901). Sie waren lange Jahrzehnte die größten Arbeitgeber. Ab den 1920er Jahren entwickelte sich daneben eine Sitzmöbel- und Möbelproduktion mit insgesamt acht Firmen. Während und nach dem 2. Weltkrieg kamen Betriebe hinzu, die zum Teil aus Stuttgart und anderen Städten ausgesiedelt wurden. Erst ab 1968 wurden Betriebe planmäßig  angesiedelt. Es entstanden bis 1999 am westlichen Ortsrand – nur 2 km von der Autobahn entfernt - rund 30 Hektar neuer Gewerbegebiete. Sie bilden heute das wirtschaftliche Rückgrat der Gemeinde.

Die verkehrsgünstige Lage begünstigte die Entwicklung der Gemeinde Murr: 953 Einwohner waren es im Jahre 1900, dann 1269 im Jahre 1939 und 2199 im Jahre 1961 – und heute zählt der Ort rund 6.000 Einwohner. Seit 1971 hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt - die Zahl der örtlichen Arbeitsplätze sogar um das 2,5-fache erhöht.

Eine moderne Ortsmitte, aber auch dörfliche Idylle

Bergkelter, 1521 erstmals erwähnt
Außenansicht der Bergkelter

Der alte Dorfkern und die neu gestaltete Ortsmitte mit Dorfplatz und Brunnen, Ladengeschäften sowie dem Bürger- und Rathaus laden zu einem Rundgang ein. Der Katz-und-Maus-Brunnen von 1991 auf dem Dorfplatz ist ein Werk des bekannten Künstlers Jürgen Goertz. Nicht weit davon entfernt steht ein stattliches Fachwerkhaus von 1614 ("Schlössle" genannt) und die Zehntscheuer von 1557. Wahrzeichen des Orts ist jedoch der markante Turm der Peterskirche, deren Ursprünge bis ins Frühmittelalter zurückreichen. Ab 1489 erhielt die Peterskirche ihr heutiges Aussehen. Die Bedeutung des Weinbaus für den Ort dokumentiert die gewaltige, inzwischen umgenutzte Bergkelter von 1521 und die Reste der 1685 erstmals erwähnten Honatskelter.

Viele Einrichtungen, die das Leben lebenswert machen

Sporthalle am Lindenweg
Außenansicht der Sporthalle am Lindenweg

Die öffentlichen Einrichtungen der Gemeinde können sich sehen lassen: Vier Kindergärten, Grund- und Hauptschule, Gemeindehalle, Sporthalle, großzügige Sportanlagen im Murrtal, Tennisplätze, eine private Tennishalle und das Mineralfreibad "Wellarium" (gemeinsam mit der Stadt Steinheim an der Murr). Und dann noch das Bürger- und Rathaus, das sowohl die Gemeindeverwaltung und Ortsbücherei, als auch zwei Säle für vielfältige kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen beherbergt.

Das lebendige örtliche Leben zeigt sich in über einem Dutzend aktiver Vereine. Daneben runden das "Kulturprisma Murr" (Konzerte, Theater und Ausstellungen) und die Volkshochschule das kulturelle Angebot und die Freizeitmöglichkeiten ab.

Murr muss man mögen - ein Ausspruch, den viele Menschen hier teilen.

Sehenswürdigkeiten

Zehntscheuer und "Schlössle"
Blick auf die beiden Gebäude "Zehntscheuer" und "Schlössle"
  • Peterskirche aus dem 14./15. Jahrhundert
  • Bergkelter, 1521 erstmals erwähnt
  • Fachwerkanwesen "Schlössle", 1614 erbaut
  • Zehntscheuer von 1557
  • Frühere Gerichtsstätte an der Hardtlinde
  • Informationsanlage zur römischen Besiedlung

Näheres dazu finden Sie im Ortsplan.

Wappen, Flagge, Logo

Gemeindewappen
Gemeindewappen
Gemeindeflagge
Gemeindeflagge
Gemeindedienstflagge
Gemeindedienstflagge mit Wappen
Gemeinde-Logo
Gemeinde-Logo

Gemeindewappen
Seit 1939 wird das Wappen der Gemeinde Murr in seiner heutigen Form geführt. Es zeigt im Schildhaupt eine schwarze Hirschstange auf goldenem Grund, darunter in geteiltem Schild heraldisch rechts in Gold einen roten Kelche, heraldisch links in Rot ein goldenes Jagdhorn mit grünem Band.

Gemeindeflagge, Gemeindedienstflagge
Offiziell seit 1980 führt die Gemeinde Murr als Flagge die Farben "Rot-Gold". Gemeindedienstflagge ist die Flagge mit aufgesetztem Gemeindewappen; sie darf nur für öffentliche Gebäude und Schulen verwendet werden.

Gemeindelogo
Seit 1989 verwendet die Gemeinde Murr im amtlichen Schriftverkehr und Marketing ein Logo. Es fasst den Gemeindenamen, das Wappen und die Gemeindefarben zu einer Einheit zusammen.

Verwendungsverbote
Das Wappen und das Logo genießen den gleichen rechtlichen Schutz wie der Name der Gemeinde oder der einer Person (§ 12 des Bürgerlichen Gesetzbuchs - BGB). Eine Verwendung durch Privatpersonen oder sonstige Dritte bedarf deshalb der ausdrücklichen Zustimmung der Gemeinde, die für das Logo in keinem Fall erteilt wird. Die unbefugte Benutzung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Geldbuße geahndet wird (§ 8 des Landesordnungswidrigkeitengesetzes - LOWiG).
Die Gemeindeflagge (ohne Wappen) darf von jedermann geführt werden. Die Gemeindedienstflagge jedoch nur von der Gemeinde selbst. Die unbefugte Benutzung der Gemeindedienstflagge stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Geldbuße geahndet wird (§ 8 des Landesordnungswidrigkeitengesetzes - LOWiG).

Literaturhinweise

  • Ortsprospekt "Murr neu entdecken" – herausgegeben vom Bürgermeisteramt Murr, 2006
  • Beschreibung des Oberamts Marbach, herausgegeben vom Königlich statistisch-topographisches Bureau, 1866 – Reprint des Verlags für Kultur und Wissenschaft Bissinger KG, Magstadt bei Stuttgart (ISBN 3-7644-0047-1), 1962
  • Geschichte der Gemeinde Murr, Zusammenstellung von Veröffentlichungen bis 1991 - herausgegeben vom Bürgermeisteramt Murr, 2009 - dort erhältlich zum Preis von 54 Euro
  • Das Leben in Murr 1890 – 1940, Bilder und Berichte - herausgegeben vom Bürgermeisteramt Murr (ISBN 3-9803264-9-7), 1996 – dort erhältlich zum Preis von 20,00 Euro
  • Das Leben in Murr 1940 - 1990, Bilder und Berichte - herausgegeben vom Bürgermeisteramt Murr (ISBN 978-3-00-019240-1), 2006 - dort erhältlich zum Preis von 20,00 Euro
  • Die Flurnamen der Gemeinde Murr – herausgegeben vom Bürgermeisteramt Murr, 1996 – dort erhältlich zum Preis von 7,50 Euro
  • 100 Jahre Postamt Murr 1879 – 1979 – herausgegeben vom Bürgermeisteramt Murr, 1979 – dort erhältlich zum Preis von 2,00 Euro
  • 500 Jahre Peterskirche in Murr 1489 – 1989 – herausgegeben von der Ev. Kirchengemeinde Murr, Helmut Bauer und Lutz Kretschmer, Murr, 1989
  • Kath. Kirchengemeinde Heilig Geist – Festschrift, Steinheim an der Murr, 2004

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